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Bulgarien-Unterricht mit der Sonntagsschule „Zar Simeon der Große“
Eine Geschichte darüber, wie wichtig die persönliche, emotionale Begegnung mit Bulgarien für den Erhalt der bulgarischen Sprache und Identität ist
Samstag 13 Juni 2026 14:55
Samstag, 13 Juni 2026, 14:55
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
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Nur einen Katzensprung von Bulgarien entfernt, doch in Kultur und Sprache weit von der Heimat entfernt – so sieht die Realität für Hunderte von Bulgaren in Nordgriechenland aus. Viele von ihnen haben sich seit Jahren in unserem südlichen Nachbarland mit ihren Familien niedergelassen, ihre Kinder dort geboren und nach und nach die lebendige Verbindung zu ihrer Heimat abgebrochen, die ihre Nachkommen oft noch nie gesehen haben. Um diesen Landsleuten zu helfen und in der Hoffnung, dass dieser Prozess nicht unumkehrbar geworden ist, wurden die bulgarischen Sonntagsschulen ins Leben gerufen. In Nordgriechenland gibt es zwei davon – die bulgarische Sonntagsschule „Heiliger Iwan Rilski“ mit insgesamt sechs Zweigstellen und „Zar Simeon der Große“ mit Zweigstellen im Dorf Dikea und in der Stadt Orestiada.
Dikea liegt nur 14 km von der bulgarischen Grenze bei Swilengrad, die größere Stadt Orestiada 50 km. Dennoch „empfinden wir unsere Heimat oft als weit entfernt, nicht wegen der Entfernung, sondern wegen der Grenze sowie wegen der unterschiedlichen Kultur und Sitten, des unterschiedlichen sprachlichen Umfelds, in dem unsere Schüler aufwachsen“, erklärt Diana Kimparis, Gründerin und Leiterin der bulgarischen Sonntagsschule „Zar Simeon der Große“ in einem Interview für Radio Bulgarien. Sie selbst weiß, wie wichtig die Nähe zur Heimat ist. Nach elf Jahren in Belgien zog Diana 2016 mit ihrer Familie nach Griechenland, wo sie ihr Leben neu aufbaute, immer mit dem Gedanken an die Heimat. „Hier fühle ich mich Bulgarien näher. Die physische Grenze ist kleiner geworden, und das gibt mir die innere Ruhe, dass ich in kürzester Zeit nach Hause fahren kann“, sagt Diana und gibt zu, dass sie jeden Monat nach Bulgarien fährt. Emotional überschreitet sie die Grenze nach Bulgarien jede Woche. Seit nunmehr neun Jahren arbeiten sie und ihr Team mit Kindern im Alter von 5 bis 18 Jahren, denen sie drei Stunden pro Woche nicht nur Kenntnisse der bulgarischen Sprache und Geschichte vermitteln, sondern auch die Liebe zu ihrer eigenen ethnischen Zugehörigkeit.
FOTO Facebook/ Diana Kymparis
„Unser Ziel ist simpel und zugleich sehr verantwortungsvoll. Wir wollen die Distanz zwischen den Kindern und Bulgarien verringern und ihnen helfen, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu ihren Wurzeln zu entwickeln“, sagt die Schulleiterin.
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
Im Schuljahr 2025/26 besuchten 53 Schüler die Schule „Zar Simeon der Große“. Für die meisten von ihnen ist Bulgarisch nicht die Muttersprache“, erklärt Frau Kimparis und räumt ein, dass dies die eigentliche Herausforderung in der Arbeit von Lehrkräften im Ausland und zugleich ihre größte Verantwortung ist. Heute brauchen die kleinen Bulgaren auf der ganzen Welt mehr denn je die Möglichkeit, Bulgarien nicht nur durch Bilder und Geschichten in den Lehrbüchern, sondern hautnah kennen und lieben lernen zu können. Sie sollen verstehen, dass dieses Land, über das sie lernen und von Mama und Papa hören, real ist und ihnen gehört. Sie sollten seinen Duft spüren, seine Farben sehen, den Trubel auf den Straßen kennenlernen, ist Diana Kimparis überzeugt und genau deshalb beschloß sie, sich für die nationalen Programme des Bildungsministeriums zu bewerben, um ihren Schülern das echte Bulgarien zu zeigen. In den Jahren 2022 und 2023 besuchen zwei verschiedene Gruppen der Sonntagsschule „Zar Simeon der Große“ mit der finanziellen Unterstützung durch das nationale Programm „Muttersprache und Kultur im Auslanddie Städte Plowdiw, Haskowo, Sopot, Karlowo und Kalofer.2024 und 2025 lernten sie im Rahmen des nationalen Programms „Bulgarien – Bildungsrouten“ Weliko Tarnowo und Sofia kennen.
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
Die Gruppen, die Plowdiw und Weliko Tarnowo besucht haben, wurden von Stefka Strakos, Bulgarischlehrerin an der Sonntagsschule, geleitet. Die Erinnerungen an das Erlebte hat einen wichtigen Eindruck in ihrem Berufsleben hinterlassen.
„Ein unvergesslicher Moment war es, als wir auf den zentralen Plätzen von Sopot und Kalofer mit einem Lächeln, Rhythmus und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit einen bulgarischen Reigen getanzt haben. Die Kinder waren beeindruckt vom Ruhm der bulgarischen Zaren, von den heldenhaften Erzählungen und von der Möglichkeit, authentische historische Stätten hautnah erleben zu können. Ich wage zu behaupten, dass beide Reisen eines gemeinsam haben: Sie haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass Kinder, die außerhalb Bulgariens aufwachsen, einen lebendigen Kontakt zu ihrem Heimatland haben – nicht nur durch Schulbücher, sondern auch durch eigene Erfahrungen. Sie kehrten inspiriert zurück, mit neuen Freundschaften, erweiterten Horizonten und einer noch stärkeren Motivation, die bulgarische Sprache zu lernen.“
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
„Einige der Kinder waren zum ersten Mal in Bulgarien“, erzählt uns Diana Kimparis. „Ich werde nie ihre Begeisterung vergessen, als sie überall um sich herum die bulgarische Sprache hörten und begriffen, dass Bulgarien nicht nur eine Geschichte ist, sondern ein realer Ort, den sie hautnah erleben können.“
Die Kinder der bulgarischen Sonntagsschule „Zar Simeon der Große“ haben einen Teil ihrer Erlebnisse in Fotos und Videos festgehalten und damit an der Initiative „Eine Lektion über Bulgarien“ von Radio Bulgarien teilgenommen.
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
„Wir konnten kaum glauben, dass diese Gegenstände so alt sind! Es ist so interessant zu sehen, wie die Menschen vor vielen Jahren gelebt haben“, erzählt der Achtklässler Alexandros Theodosiou von seinen Eindrücken.
Die zwölfjährige Nikoleta Tsuturidu erinnert sich voller Bewunderung an die Kathedrale „St. Alexander Newski“ und sagt, dass sie noch nirgends so eine Ruhe und Schönheit gesehen und gespürt hat, von denen sie fasziniert ist.
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
„Wir haben auch den Zoologischen Garten von Sofia besucht, was für die Kinder ein echtes Abenteuer war. Sie hatten noch nie einen so großen Zoo gesehen und beobachteten voller Begeisterung die Löwen, Affen und Reptilien. Das größte Interesse weckten die Giraffen, Elefanten und Nashörner. Sie hatten noch nie so große Tiere gesehen. Aber das vielleicht aufregendste Erlebnis für sie war die Atmosphäre, überall um sich herum die bulgarische Sprache zu hören und sich als Teil von etwas Größerem zu fühlen. Nach dem Besuch wurde Bulgarien zu einem realen Ort, verbunden mit persönlichen Emotionen und Erinnerungen. Besonders für diejenigen, die außerhalb Bulgariens geboren wurden, wie die meisten unserer Schüler. Das war der Moment, in dem Bulgarien aufhörte, etwas Fernes zu sein, und sich für sie wie eine Heimat anfühlte“, ist Diana Kimparis überzeugt. Worte, die auch die Siebtklässlerin Maria Tsuturidu bestätigt.
FOTO Sonntagsschule "Zar Simeon der Große"
„Diese Reise war mehr als nur ein Ausflug. Sie war eine lebendige Lektion in Vaterlandsliebe, Geschichte und Kultur. Wir waren stolz darauf, Bulgaren zu sein, und dankbar, dass wir die Gelegenheit hatten, all dies hautnah zu erleben. Wir bedanken uns herzlich beim Ministerium für Bildung und Wissenschaft und bei den Organisatoren. Wir sind bereichert, inspiriert und noch stärker mit Bulgarien verbunden nach Hause zurückgekehrt. Diese Reise wird uns als wunderschöne Erinnerung voller Lächeln, Entdeckungen und neuer Freundschaften im Herzen bleiben“, so Maria Tsuturidu.
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Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa